Trachtsaison 2026 - eine Bilanz
Es ist immer wieder verwunderlich, wie schnell eine Trachtsaison vorbei geht. Kaum hat man die ersten Honigmagazine hingerichtet zum Aufsetzen, kaum ist der Raps aufgeblüht, schon rast die Zeit an einem vorbei und ruck-zuck erntet man den letzten Honig. Vermutlich liegt es daran, dass man ständig beschäftigt ist, dass einem das Zeitfenster so kurz vor kommt. Jeden Tag gibt es etwas zu tun und meistens rennt man den Aufgaben hinterher.
Und wie jedes Jahr kommt dann irgendwann dieses ganz besondere Gefühl. Es kommt (...garantiert!) meist Mitte bis Ende Mai, wenn man -zig verschiedene Arbeiten gleichzeitig erledigen sollte, was man logischerweise nicht schafft und sieht, wie andere Menschen radfahren gehen oder im Eiskaffee sitzen - eben ihre Freizeit bei bestem Frühlingswetter genießen. Dann stellt man sich jedes Jahr die gleiche Frage: "Warum tue ich mir das an?!".
Doch am Ende ist es ein angenehmes Gefühl, wenn man mit seiner Zeit etwas sinnvolles anfängt. Und Lebensmittel zu produzieren ist unbestreitbar eine sehr sinnvolle Tätigkeit - erst recht, wenn sie so gut schmecken!
Frühtracht
Früher als sonst begann die Trachtsaison 2026. Schon am 24.03.26 konnte man in sonnigen Lagen die ersten aufblühenden Rapsfelder sehen. Wenige Tage später war der Raps aufgrund des warmen Frühlingswetters schon voll aufgeblüht.
Ende März standen Kirschen und Äpfelbäume in voller Blüte und es war über mehrere Tage ein echtes "Kaiserwetter". Wir dachten schon, dass es wieder einmal ein "Blitz-Frühjahr" werden sollte, doch im April wurde das Wetter wechselhafter und kühler, was uns recht war. Sonnige Tage wechselten sich mit Regentagen ab, was für den Nektarfluss von Vorteil war.
Mitte April war dann Volltracht und wir konnten gute Tageszunahmen auf der Stockwaage beobachten. Das Wetter zeigte sich von einer eher kühlen Seite, was rekordverdächtige Tageserträge verhinderte. Aber die Bienen arbeiteten fleißig und man konnte sowohl mit Zunahmen, als auch mit dem Wetter zufrieden sein.
Wir haben, wie üblich in den letzten Jahren, mit 2/3-Honigmagazinen als erstes aufgesetzt. Gerade wenn es Kälteeinbrüche gibt, dann ist die Vergrößerung des Beutenvolumens bei einem 2/3-Magazin nicht ganz so groß, wie bei einem Vollmagazin. Nach unserer Erfahrung nehmen die Bienen die 2/3-Magazine deutlich schneller an wie die Vollmagazine und es wird dadurch weniger Honig im oberen Bereich des zweiten Brutmagazins eingelagert.
Die sogenannte "Barriere" im zweiten Brutmagazin, bei der die Bienen im oberen Bereich der Waben den Honig einlagern und dann die Honigeinlagerung nach unten fortsetzen, entsteht mit 2/3-Magazinen deutlich seltener. Diese "Barriere" mit Honig im oberen Brutmagazin kann dazu führen, dass die Bienen überhaupt nicht mehr in den Honigraum gehen. Der immer weiter nach unten eingelagerte Honig verengt dann das Brutnest immer mehr und am Ende entsteht dann ein Schwarmtrieb, weil die Königin kein Platz mehr zur Eiablage hat.
Läuft die Arbeit der Bienen auf Hochtouren, sind die Honigräume gut angenommen und ist genug Platz in den Beuten (...sprich: hat der Imker einen guten Job gemacht), dann lässt man am besten die Finger von den Kästen und die Bienen ihre Arbeit tun. Es gilt hier die alte Imkerweisheit: "So wenig wie möglich - so viel wie nötig".
Es ist dies die Zeit, in der sich mutige Imker trauen ein paar Tage eine Auszeit zu nehmen. Auch, wenn sie das manchmal danach büßen müssen, weil viel Arbeit während der Abwesenheit liegen geblieben ist.
Wir haben diese Auszeit wieder einmal im nahen Umfeld genossen und stellen immer wieder fest, dass man für einen schönen Urlaub nicht in den Flieger steigen muss. Sowohl landschaftlich, als auch kulturell gibt es in Deutschland wirklich viel zu sehen.
Unser Tipp für die Schwaben lautet:
Schauen sie doch mal, was es hinter Würzburg alles zu sehen gibt...
Mitte Mai war der Raps bereits abgeblüht und die Tracht ging merklich zurück. Am 14.05.26 hatten wir die Bienenfluchten eingelegt und am 16.05.26 den ersten Frühtrachthonig geerntet. Der Ernteertrag und die Honigqualität war wie im letzten Jahr gut. Da es während der Haupttracht immer wieder regnete, war der Boden gut durchfeuchtet und die Pflanzen lieferten zuverlässig Nektar. Zu einer Rekordernte fehlten allerdings Tageshöchsttemperaturen von deutlich über 20°C, aber man konnte zufrieden sein.
In der dritten Mai-Woche konnte man noch unbehelligt am Bienenstand mit den Honigmagazinen hantieren, aber schon am darauf folgenden Wochenende wurden wir bei einer Durchsicht der Völker unfreundlich begrüßt. Es kam zu einer mehrtägigen Trachtlücke bis die Akazien Ende Mai aufgeblüht waren.
Da wir nie vollständig den Honig abernten, war das für uns nicht weiter tragisch. Aus Erfahrung wissen wir, dass ein Bienenvolk nie hungern darf. Leidet ein Bienenvolk Hunger, dann wird es in der jeweiligen Saison nicht wieder auf hohe Leitung kommen. Der geizige Imker tut also nicht nur den Bienen nichts gutes, sondern am Ende auch sich selbst. Da wir mit den Bienen in diesem Jahr noch in die Edelkastanie wollten, war völlig klar, dass bis zur Wanderung in die Pfalz genug Honigreserve in den Völkern sein musste.
In die Edelkastanie
Dann hieß es warten - recherchieren - die "alten Hasen" befragen und Webcams aus der Pfalz sichten. Es ist immer ein kleines Lotteriespiel. Wandert man zu früh auf und es dauert noch eine längere Zeit bis die Blüte der Edelkastanie beginnt, dann muss eine ausreichende Reserve an Honig in den Völkern sein. Bei der Definition des Begriffs "ausreichend" sind hier 400...600 Gramm Honig pro Tag zu berücksichtigen, die von den Völkern als Eigenbedarf benötigt werden. Da die Völker Anfang Juni auf ihrem Entwicklungshöhepunkt sind, ist der Eigenbedarf hoch. Ist zu wenig Reserve in den Völkern und sie beginnen zu hungern, dann kann man sich von einem guten Ertrag der Edelkastanie verabschieden.
Belässt man aber zuviel Reserve an Blütenhonig in den Völkern und / oder die Blüte der Edelkastanie kommt sehr zeitnah nach dem Aufwandern, dann verfälscht man den Edelkastanienhonig und er entwickelt nicht seinen ausgeprägt herben Geschmack. Es ist also viel Erfahrung und Fingerspitzengefühl gefragt. Am 06.06.26 war es dann soweit und wir haben unsere Völker in der Nacht nach Bad Bergzabern transportiert.
Die ersten Tage zeigte unsere Stockwaage nur eine Läppertracht an, von Zunahmen konnte man nicht reden. Ab 13.06.26 setzte dann die Tracht der Edelkastanie ein und steigerte sich mit jedem Tag. Die Gewichtszunahmen der Stockwaage waren so deutlich, dass wir uns schon auf eine Rekordernte freuten. Doch leider begann ab 17.06.26 eine Hitzewelle mit Temperaturen von deutlich über 30°C und das machte die Hoffnung auf eine Rekordernte zunichte.
Die Tageshöchsttemperaturen stiegen immer weiter und obwohl unser Bienenstand an einem schattigen Platz stand, zeigte unsere Stockwaage an mehreren Tagen Temperaturen bis über 38°C an. Das ist für Bienen und Kastanienbäume gleichermaßen Stress. Der Sammeleifer der Bienen ließ nach und der Nektar der Edelkastanie trocknet bei heißem, trockenem Wetter relativ schnell ein und konnte von den Bienen nicht mehr aufgenommen werden. Als Folge ging das Gewicht auf unserer Stockwaage ab 22.06.26 quasi nur noch bergab.
Ab 24.06.26 war dann mehr oder weniger klar, dass die Tracht der Edelkastanie vorbei war. An eine Rekordernte war nicht mehr zu denken. In Summe konnte man aber mit einem durchschnittlichen Ertrag von 24,5 kg pro Volk zufrieden sein - insbesondere vor dem Hintergrund des extrem heißen und trockenen Wetters. Es war dies mit ca. 10 Tagen die kürzeste Trachtperiode der Edelkastanie, seit wir unsere Bienen in der Pfalz aufstellen.
Durch das extrem heiße Wetter war über Tage hinweg nicht an einen Rücktransport der Bienen zu denken. Zu groß wäre die Gefahr des Verbrausens der Bienen während der Fahrt gewesen. Da schaut man dann jeden Tag auf die Abnahmen der Stockwaage und den Wetterbericht und hofft, dass endlich einmal ein paar Tage mit kühlerem Wetter kommen. In der ersten Juli-Woche war es dann soweit und wir haben uns auf den Weg in die Pfalz gemacht.
Bei uns läuft die Honigernte und der Rücktransport immer in einem Zug. Wir legen an einem Tag die Bienenfluchten ein und nehmen nach 1...2 Tagen Wartezeit vor dem Transport die Honigmagazine von den Völkern. Da wir für den Transport der Bienen unseren Camper einsetzen, sind wir in der komfortablen Lage am oder in der Nähe des Bienenstandes übernachten zu können. Das spart uns eine zusätzliche Anfahrt zum Bienenstand.
Während der Wartezeit als die Bienenfluchten aufgesetzt waren, wurden auch wir Opfer der Hitze. Man spürte, dass selbst im Schatten der Boden ziemlich aufgeheizt war und nirgends gab es ein kühles Fleckchen. Von Luftbewegung war auch nichts zu spüren, kein Blatt bewegte sich im Wald. Da ist man froh an einem Lüfter, der einem ein klein wenig Kühlung verschafft.
Leider mussten wir beim abnehmen der Honigmagazine feststellen, dass trotz über einem Tag Wartezeit immer noch relativ viele Bienen in den Honigmagazinen waren. Wir vermuten, dass dies mit dem warmen Wetter zusammen hing, da sich dann keine ausreichende Konvektion in den Beuten einstellt und die Bienen nicht nach unten in die Brutmagazine gelockt werden. Für uns bedeutete das viel zusätzliche Arbeit, weil wir später zuhause jede Wabe einzeln mit dem Imkerbesen abfegen mussten.
In der Nacht vom 02.07.26 auf den 03.07.26 war es dann soweit und wir holten unsere Bienen wieder zurück nach Bietigheim. Die Nacht war ausreichend kühl und der Rücktransport verlief ohne irgendwelche Probleme oder Schäden.
Neuer Standplatz für Sommerhonig
In die Pfalz hatten wir nur unsere guten Ertragsvölker mitgenommen. Was transportiert wird, muss auch einen vernünftigen Ertrag bringen. In der Nähe unseres Heimatortes hatten wir noch ein paar Völker stehen lassen in der Hoffnung auf einen schönen Sommerhonig. An einem neuen Standplatz in der Nähe einer Phacelia-Aussaat hofften wir auf einen Honig mit ganz anderem Geschmack. Man will ja auch mal was neues ausprobieren...
Nicht schlecht staunten wir, als wir für eine Durchsicht an diesem Bienenstand kamen. Ein paar Tage vorher gab es stärkere Windböhen durch ein Sommergewitter und eine größere Esche war in Richtung unserer Bienenkästen umgefallen. Es stand dann noch ein Kirschbaum im Weg, den die Esche gleich noch mit umgerissen hatte. Aber wir hatten Glück im Unglück. Alle größeren Äste gingen um Haaresbreite an den Bienenkästen vorbei und es gab keinerlei Schäden an den Bienenkästen. Nach einer Stunde Arbeit mit der Handsäge waren die Bienenkästen wieder freigelegt.
Leider hatte uns die Hitzewelle auch beim Sommerhonig einen Strich durch die Rechnung gemacht. Es gab zwar eine kleine Ernte, aber besondere Begeisterung ist bei uns bei der geernteten Menge nicht ausgebrochen. Was anfänglich gut los ging und uns auf Phaceliahonig hoffen lies, wurde dann - wie in der Edelkastanie - ein Opfer der Hitze. Wenigstens kam es durch die umgefallenen Bäume zu keinen Schäden und so räumten wir diesen Standplatz mit einer zwar kleinen, aber doch positiven Bilanz.
Saisonende
Was jetzt noch bleibt, sind die weniger schönen Arbeiten in der Imkerei - das Einfüttern der Bienen für die Überwinterung, eine (hoffentlich) effektive Behandlung der Bienen gegen die Varroamilbe, der Austausch von alten Waben und eine Pflege der Ableger um auch diese fit für den Winter zu machen. Auch wenn die Bienen bei diesen Arbeiten weniger freundlich zu einem sind, so motiviert einen doch der Gedanke, dass mit diesen Arbeiten der Jahresurlaub quasi vor der Tür steht und die anstrengende Zeit der Bienensaison langsam zuende geht.
Und je anstrengender die Saison war, desto mehr freut man sich dann auf den bevorstehenden Urlaub.