Nachtschicht im Pfälzer Wald
Edelkastanienhonig hat seine Liebhaber in unserem Kundenkreis. Dieses Jahr war es für diese Kunden ganz schlimm - dieser spezielle Honig war bei uns seit Anfang des Jahres ausverkauft. Deshalb war die Entscheidung leicht, wo die diesjährige Wanderung mit unseren Bienen hingehen sollte. Natürlich wieder in die Südpfalz. Da wir niemand vorort haben, der uns den aktuellen Stand der Edelkastanienblüte durchgeben kann, ist es immer ein Lotteriespiel, wann man mit seinen Bienen dort aufwandert.
Natürlich möchte man nicht, dass die Bienen hungern, wenn sich die Blüte der Edelkastanie noch etwas hinzieht. Deshalb belässt man einen Teil Blütenhonig in den Bienenvölkern, wenn man in die Südpfalz wandert. Auf der anderen Seite möchte man natürlich auch nicht, dass der Edelkastanienhonig durch zuviel Blütenhonig verfälscht wird. Da schaut man dann auf Webcams in der Gegend unseres Standplatzes um vielleicht blühende Bäume zu erkennen und beobachtet die Stockwaagen des Trachtnetzwerks von Rheinland Pfalz. Der Wetterbericht spielt natürlich auch eine wichtige Rolle.
Doch irgendwann ist es dann soweit. Man sortiert Daten, Fakten und Bauchgefühl und die Entscheidung fällt. Dann wird aufgeladen...
Dieses Jahr hatten wir erstmals unser neues Hebegerät im Einsatz und wir waren begeistert. So leicht ging es noch nie, die Bienenkästen auf den Anhänger zu laden. Durch kühles und regnerisches Wetter hatten wir das Glück, dass wir schon gegen 21 Uhr mit dem Verladen beginnen konnten.
Ist der Anhänger geladen, dann wird noch ein kurzer Zwischenhalt an unserem Wohnhaus gemacht. Da werden die Bienenkästen noch mit dem Gartenschlauch nass gespritzt, damit sie während der Fahrt schön kühl bleiben. Dann wurde noch eine letzte Kontrolle gemacht, ob alles richtig fest und sicher verzurrt war, bevor es kurz nach 22 Uhr los ging in Richtung Südpfalz.
Wie in den letzten Jahren, hatten wir auch dieses Jahr die Bienen auf dem Anhänger stehen lassen. Nur zwei Völker wurden abgeladen, damit man auf dem Anhänger genug Platz hat, um an den Völkern zu arbeiten und die Blechdeckel aufzulegen. Der Aufwand für die Aufstellung der Völker ist damit deutlich geringer, wie beim Einsatz von Europaletten. Wieder einmal waren wir sehr froh an den Arbeitsscheinwerfern, die wir an unserem Bus nachgerüstet haben. Es ist auch eine Frage der Sicherheit, wenn man nicht im Dunkeln durch den Wald stolpern muss.
Um 01:12 Uhr war dann alles fertig aufgebaut, der Anhänger mit seinen Stützen schön waagerecht ausgerichtet und unsere Stockwaage in Betrieb genommen. Bevor wir dann in unserem Bus ins Bett gehen, gibt es noch das traditionelle Radler zum abspannen. Wieder einmal hatte alles gut geklappt, was keine Selbstverständlichkeit ist.
Als wir am nächsten Morgen zum Fenster hinaus schauten, konnten wir schon sehen wie sich die Bienen an ihrem neuen Standplatz einflogen. Da ist dann mächtig Betrieb an den Bienenkästen und man hält lieber Abstand. Da wir dies wissen, wird bei der Aufstellung der Bienenvölker immer alles komplett fertig gemacht. Nur im absoluten Notfall geht man am nächsten Tag an die Bienenkästen heran, wenn die Völker dabei sind sich einzufliegen. Meist sind sie dann nicht gut gelaunt und man könnte meinen, sie nehmen es einem krumm, dass man sie in der Nacht durch die Gegend gekarrt hat.